20. September 2026

Jom Kippur 5787: Ein Tag, der auf uns wartet

Mit dem Sonnenuntergang des 20. September beginnt Jom Kippur – der jüdische Versöhnungstag. 25 Stunden Fasten, Gebet und Stille fordern eine unbequeme Reihenfolge: Die Versöhnung mit Gott gelingt nur über die Versöhnung mit unseren Mitmenschen.

Heute Abend, mit dem Sonnenuntergang des 20. September 2026, beginnt Jom Kippur 5787. Der Versöhnungstag endet am Abend des 21. September, nach etwa 25 Stunden Fasten, Gebet und Stille. In Israel steht das öffentliche Leben still: keine Radio- und Fernsehprogramme, keine Flüge, leere Autobahnen.

Was der Tag verlangt

Jom Kippur will Teschuwa, Umkehr: einsehen, aufhören, bekennen, sich vornehmen. Und er verlangt eine Reihenfolge, die unbequem ist. Vor der Versöhnung mit Gott steht die Versöhnung mit dem Menschen, dem man etwas angetan hat.

Das Kol Nidre am Abend löst unbedacht gegebene Gelübde. Ausdrücklich nur die vor Gott. Was man Menschen versprochen hat, bleibt gültig. Es gibt in dieser Liturgie keine Abkürzung am Nächsten vorbei.

Was 5787 dazukommt

In Israel ist vom Zusammenhalt der Wochen nach dem 7. Oktober 2023 vieles wieder verloren, politische Gegensätze verschärfen sich vor den anstehenden Wahlen — und viele wünschen sich für das neue Jahr vor allem ruhige Feiertage ohne Krieg und mehr Zusammenhalt im Land. In zwei Wochen steht der dritte Jahrestag des 7. Oktober an.

Für uns in Deutschland hat der Tag noch eine andere Schicht. Am Jom Kippur 5780, dem 9. Oktober 2019, versuchte ein Attentäter in Halle, in die Synagoge einzudringen, in der mehr als 50 Menschen beteten; eine verriegelte Holztür hielt ihn auf, zwei Menschen starben draußen. Seitdem gehört zu diesem Feiertag hierzulande auch das Bild bewaffneter Polizeiposten, Poller und Sicherheitsschleusen vor Gebetshäusern. Dass jüdisches Leben in Deutschland Bewachung braucht, ist eine Frage an die Mehrheitsgesellschaft. Sie lässt sich nicht an Gott delegieren.

Eine kleine Übung für Nichtjuden

Man muss nicht fasten, um von diesem Tag etwas zu lernen. Man kann ihn als Frist nehmen: Wem schulde ich eine Entschuldigung, die ich seit Monaten aufschiebe? Der Tag endet mit einem einzigen langen Ton des Schofars und einem Festmahl. Bis dahin ist noch Zeit.

Allen, die ihn begehen: Gmar Chatima Towa — mögest du zum Guten eingeschrieben und versiegelt sein.

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