8. September 2026
Ein Vater erinnert an einen Friedensstifter
Yaron Lischinsky und Sarah Milgrim wurden 2025 in Washington ermordet. Im Gespräch erinnert sich Yarons Vater an seinen Sohn – und warnt eindringlich davor, Antisemitismus zu verharmlosen.
Daniel Lischinsky spricht in einem Interview mit WELT.de über den Mord an seinem Sohn Yaron und dessen Partnerin Sarah Milgrim im Mai 2025 in Washington. Der Verlust habe die Familie tief getroffen; nach einem schweren Jahr der Trauer versuche sie langsam, ins Leben zurückzufinden.
Yaron Lischinsky arbeitete an der israelischen Botschaft in Washington. Gemeinsam mit Sarah Milgrim hatte er kurz zuvor eine Veranstaltung des American Jewish Committee verlassen, die Friedensprojekte und Begegnungen im Nahen Osten zum Thema hatte, als beide erschossen wurden. Die Tat zerstörte auch einen sehr persönlichen Zukunftsplan: Wenige Tage später wollten Yaron und Sarah nach Israel reisen, damit er sie seiner Familie vorstellen konnte.
Erinnerung an Yaron
Sein Vater beschreibt Yaron als einen Menschen, der Gewalt ablehnte und an die Kraft des Gesprächs glaubte. In Washington suchte er bewusst Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und politischen Kontexten; besonders engagierte er sich für die Abraham-Abkommen und für Verständigung zwischen Israel und arabischen Staaten.
Auch Sarah Milgrim würdigt Daniel Lischinsky als Friedensstifterin. Die beiden verband nach seiner Darstellung nicht nur ihre Beziehung, sondern eine Haltung: Brücken bauen, statt Feindbilder zu verhärten. Ein von Familie und Freunden zusammengestellter Bildband mit Yarons Fotografien von Architektur und Natur soll dieses Andenken bewahren.
Fragen und Warnung
Offen bleibt für den Vater vor allem, wie der Anschlag trotz der Sicherheitsvorkehrungen möglich werden konnte. Der mutmaßliche Täter war nach seiner Schilderung nicht zur Veranstaltung zugelassen worden, wartete jedoch vor dem Gebäude auf die Besucher; zugleich belastet die Familie die ausstehende juristische Aufarbeitung und die Sorge vor einer zu milden Strafe.
Am wichtigsten ist Lischinskys Warnung vor Antisemitismus und dessen Verharmlosung. Er richtet seinen Blick nicht allein auf den Täter, sondern auf die Ideologie, die Gewalt gegen Juden und Israelis rechtfertigt oder verherrlicht. Antisemitismus sei kein Problem, das nur Juden betreffe, sondern vergifte letztlich die gesamte Gesellschaft, die ihm Raum gebe.
Das Buch „Glimpses from the Life of a Peacemaker. Augenblicke aus dem Leben eines Friedensstifters“, hrsg. von Lina Eisenberg-Dvir und Hanan Lischinsky, ist im Verlag Hentrich & Hentrich erschienen und kostet 27 €.
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