17. Oktober 2026
Dialog mit blinder Stelle: Der Vatikan und Israel
Der Vatikan verurteilt Antisemitismus, schweigt aber zu Land und Staat Israel. Wie glaubwürdig ist ein Dialog, der Juden als Religion würdigt, als Volk jedoch ausblendet?

Der Vatikan wirbt für den interreligiösen Dialog – doch nach Einschätzung des Jesuiten und Judaisten Christian Rutishauser bleibt dabei eine entscheidende Leerstelle. Das neue Dokument „Ein Weg der Hoffnung“ verurteile zwar Antisemitismus, gehe aber nicht auf die Bedeutung von Land und Staat Israel ein. Dadurch fühlten sich Jüdinnen und Juden lediglich als Religionsgemeinschaft wahrgenommen, nicht jedoch als Volk und Kultur. Rutishauser fordert deshalb eine theologische Auseinandersetzung mit dieser Frage: Religion und Politik ließen sich hier nicht getrennt behandeln.
Zugleich würdigt er das Dokument als Gegenstimme zu identitären katholischen Strömungen, die den Religionsdialog als liberale Aufweichung ablehnen. Der Text mache deutlich, dass das Gespräch zwischen Religionen eine ernsthafte Suche nach Wahrheit sei. Allerdings vermisst Rutishauser weiterführende religionstheologische Überlegungen; auch der Islam werde nur knapp behandelt.
„Ein Weg der Hoffnung“ erinnert an das 60. Jubiläum der Konzilserklärung „Nostra aetate“, die das Verhältnis der katholischen Kirche zu anderen Religionen grundlegend erneuerte. Rutishausers Kritik zeigt jedoch: Das Bekenntnis zum Dialog allein genügt nicht, wenn zentrale Fragen des jüdischen Selbstverständnisses unbeantwortet bleiben.
Judaist: Verhältnis zwischen Kirche und Judentum bleibt angespannt
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