geboren am 19. September 1954 in Höxter
Biografie
Ich bin Ricklef Münnich, geboren am 19. September 1954 in Höxter – evangelischer Theologe und Pfarrer im Ruhestand. Mein Herz schlägt seit jeher für den interreligiösen Dialog, die christlich-jüdischen Beziehungen und die Bildungsarbeit über jüdisches Leben und Denken.
Ausbildung und erste Jahre
Evangelische Theologie habe ich an der Kirchlichen Hochschule Berlin (Zehlendorf) studiert. Prägend war für mich das Programm „Studienjahr in Israel“ an der Hebräischen Universität Jerusalem: Zweimal verbrachte ich dort ein ganzes Jahr, um rabbinisches Judentum zu studieren.
Nach dem Ersten Theologischen Examen absolvierte ich mein Vikariat am Predigerseminar der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (West-Berlin) sowie in einer Kirchengemeinde in Berlin-Neukölln. 1988 übernahm ich ein Sondervikariat am Katechetischen Oberseminar in Naumburg (DDR), wo ich rabbinisches Judentum unterrichtete.
Berufliche Laufbahn
Ab 1992 war ich in verschiedenen kirchlichen Ämtern tätig – zunächst in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Thüringen, später in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Bis 1998 wirkte ich als Studentenpfarrer in Weimar, anschließend bis 2006 als Landesjugendpfarrer in Eisenach. Danach war ich Gemeindepfarrer in Erfurt – eine Aufgabe, die ich bis zu meiner Pensionierung im Jahr 2020 innehatte.
Engagement im christlich-jüdischen Dialog
Der christlich-jüdische Dialog hat mich durch meine gesamte berufliche Laufbahn begleitet. Ich war Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Kirche und Judentum in Thüringen“ und Vorsitzender des Fördervereins für jüdisch-israelische Kultur in Thüringen. Dabei arbeitete ich eng mit der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen zusammen und setzte mich für einen kontinuierlichen Austausch ein.
Über viele Jahre gehörte ich dem Vorstand des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit an – einem Dachverband von rund 80 Gesellschaften – und amtierte als dessen evangelischer Präsident.
In Anerkennung dieser Arbeit wurde mir am 24. Januar 2024 der Werner-Sylten-Preis der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland verliehen. Die Auszeichnung würdigte mein Engagement, Brücken zwischen den Gemeinden zu bauen und die interreligiöse Verständigung zu fördern.
Stimme in der öffentlichen Debatte
Auch in der öffentlichen Debatte über Antisemitismus und die Darstellung Israels in Kirche und Medien habe ich immer wieder Position bezogen. Wo ich die Kritik an Israel als unausgewogen empfand, habe ich meine Besorgnis geäußert und für differenzierte, fundierte Perspektiven geworben.
Als Reaktion auf die Angriffe der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe ich mein Engagement verstärkt: Gemeinsam mit Yoram Ehrlich, Naomi Ehrlich Kuperman und weiteren Mitstreitern gründete ich die Social Media-Gruppen „Israel Updates“. Seit dem Start am 10. Oktober 2023 verbreitet sie beinahe täglich über WhatsApp und Telegram kuratierte und übersetzte Artikel aus israelischen Medien. Unser Ziel ist es, einem deutschsprachigen Publikum faktenbasierte Informationen bereitzustellen. Die Plattform erreicht heute rund 1.500 Abonnentinnen und Abonnenten – darunter Journalisten, Entscheidungsträger und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
ahavta – Begegnungen
Im Ruhestand habe ich meine Arbeit für „ahavta – Begegnungen“ ausgebaut, meiner Bildungsplattform zu jüdischer Religion, Geschichte und Kultur sowie zum Staat Israel. Das Portal richtet sich an christliche wie jüdische Menschen und bietet mehrere Formate an – darunter ein wöchentliches „Wort zum Schabbat“, das ich gemeinsam mit fünf Rabbinern und Kantoren gestalte. Eine weitere Rubrik ist das „Echo der Weisung“, in dem ich das Neue Testament auf die Resonanz der Tora im Rahmen ihrer Wochenabschnitte befrage.
Mit all diesen Bemühungen möchte ich einen Beitrag leisten: zur inhaltlichen Erneuerung des christlich-jüdischen Verhältnisses und zu einer informierten öffentlichen Debatte.